Rückblick

Sa., 24.02.2018 - Hasskriminalität auf Facebook vs. Grundgesetz

Kommentar:

Facebook ist nicht wirklich böse

Nun, dass Facebook meine Daten sammelt, verknüpft, auswertet und verkauft – das weiß ich schon immer. Schließlich will die Firma ihren Profit maximieren. Sie sind ein kapitalistisches Unternehmen wie z.B. auch Volkswagen.

Aber wenn ich Facebook meine Daten überlasse, bin ich daran selber schuld – genauso, wie ich selber schuld bin, wenn ich mir einen Diesel-Passat kaufe, nachdem klargeworden ist, wie schmutzig dieser ist.

Bisher war ich darüber hinaus der Meinung, dass Facebook nicht nur profitgierig, sondern richtig böse ist: sie geben Nazis und Populisten ein Forum, und unterstützen bewusst und mit Absicht deren Propaganda. Sie lassen zu, dass Menschen beleidigt, bedroht und verleumdet werden. Sie halten sich absichtlich nicht an unsere Gesetze.

Von dieser Meinung musste ich mich während des sehr sachlichen und gut begründeten Vortrag von Chan-Jo Jun verabschieden.

Im Vortrag von Jun wurde deutlich, dass das Verhalten von Facebook nicht in erster Linie auf Bosheit zurückzuführen ist. Facebook kommt aus dem US-amerikanischen Rechtsraum. Dort gilt „Freedom of Speech“ (Redefreiheit) – jeder darf überall sagen, was er denkt und was er will, auch wenn es gelogen ist. Auch eine Verleumdung ist durch dieses Gesetz geschützt. Bei uns gibt es keine Redefreiheit, sondern Meinungsfreiheit – man darf jede Meinung haben, aber man darf nicht alles sagen, was man will. Insbesondere Verleumdungen sind verboten, weil sie gegen die Menschenwürde verstoßen, die als Folge des Nazi-Terrors in keinem anderen Land so geschützt ist.

An diesem Punkt wurde mir klar, was in der Kommunikation zwischen der US-amerikanisch geprägten Seite und der deutschen in der Sache Facebook schiefläuft: die meisten Amerikaner sind auf ihr Rechtssystem stolz, viele halten es für das Beste der Welt. Es gewichtet die Freiheit höher, als den Schutz des Einzelnen vor Verleumdungen, und die Würde des Einzelnen. Wegen der kulturellen Überheblichkeit vieler US-Bürger werden andere Rechtssysteme als weniger demokratisch betrachtet – vielleicht sogar als Vorstufe von autoritären Rechtssystemen.

Deshalb ist das Verhalten von Facebook gegenüber Lügen und Verleumdungen nicht böse – aber es ist neben Profitstreben (Zoff bringt Kunden) wohl auch auf eine gewisse Ignoranz zurückzuführen.

Auch wenn ich das Verhalten von Facebook nun besser nachvollziehen kann - es muss auch weiterhin gelten: wer in Deutschland Geschäfte machen will, muss sich auch an deutsche Gesetze halten.

Und wir müssen dankbar sein für Menschen wie Chan-Jo Jun, der sich auch unter eigenen Opfern für Menschenwürde und Wahrheit einsetzt.

Zurück

Rückblick / Vergangene Veranstaltungen

Sa., 06.05.2017 - "Das NaturFreundehaus - ein Ort für Integration"

Sa., 10.12.2016 - NaturFreunde-Kinder bescherten die Tiere im Wald und wurden vom AWO-Kinderhaus selbst beschenkt

Fr., 16.08.2016 - Kinder lernten richtigen Umgang mit Hunden - Ein einmaliges Erlebnis mit DLRG-Suchhunden im Veitshöchheimer Ferienprogrammangebot durch die NaturFreunde

Sa., 30.04.2016 - Monatstreffen - Fluchtursachen

Rückblick siehe Veitshöcheim-Blog